Ein Gedanke zu Ostern

Ein Gedanke zu Karfreitag - von Vikarin Judith Montowski (Genkingen)

Ein Gedanke zu Gründonnerstag

Gründonnerstag

Heute feiern wir den Gründonnerstag. Wir erinnern uns an den letzten Abend, den Jesus mit seinen Freunden erleben konnte. An das letzte Abendessen, das er mit ihnen genießen durfte. In der Bibel wird erzählt, dass es anfangs ein richtig schöner Abend war, mit tollem Essen. Das Wichtigste waren aber gar nicht die vielen Schüsseln und Teller, das Wichtigste war am Ende ein Bissen Brot, ein Schluck Wein und vor allem das gute Gefühl zusammenzugehören. Eine Gemeinschaft zu sein. Es fühlte sich an, als wären sie alle zusammen eine Familie.

Heute plagen wir uns schon seit über einem Jahr mit der Coronapandemie herum. Wenn ich vor der Pandemie Freunde zum Abendessen eingeladen hatte, dann war es mir auch wichtig, dass viel gutes Essen auf dem Tisch steht. Heute sehe ich das anders. Ein gutes Brot, ein Glas Wein und vor allem das Gefühl, eine Gemeinschaft zu sein, zusammenzugehören ohne Abstand, ohne Maske, ohne CoronawarnApp, das wäre jetzt das Allergrößte.

Wir feiern heute den Gründonnerstag und überall stehen die Kirchen offen, damit wir miteinander das Abendmahl feiern können. Dort erwarten uns ein Bissen Brot, ein Schluck Wein und das gute Gefühl eine Gemeinschaft zu sein, Teil der Familie Jesu zu sein. Lasst euch einladen und genießt diesen Moment. Amen.

 

 

St. Patrick - ein irischer Heiliger mit Ecken und Kanten

So populär er bei allen Iren ist, historisch verbürgt weiß man bis heute recht wenig über den Heiligen Patrick. Fakten und Legenden sind untrennbar miteinander verbunden.

Nur zwei Schriften, die er selbst verfasst haben soll, geben ein wenig Aufschluss über sein Leben.

Auch über sein Geburtsdatum streiten sich die Gelehrten. Die einen nennen das Jahr 415, andere das Jahr 389. Ebenso wenig ist über seinen Geburtsort bekannt. Er selbst bezeichnete ihn als Bannevem Taburniae, das vermutlich in West-Britannien, dem heutigen Wales gelegen hat.

Dort kam Patrick als Maewyn Succat, Sohn des wohlhabenden örtlichen Priesters und Gutsbesitzers, zur Welt. Dort wurde er auch im Alter von 15 oder 16 Jahren von keltischen Kriegern gefangengenommen und nach Irland verschleppt. Sechs Jahre musste er als Sklave in Irland arbeiten. In dieser Zeit lernte er die irische Sprache.

Eine Vision verhieß ihm schließlich die Rückkehr nach England. Mehr als 200 Kilometer soll er zu Fuß zurückgelegt haben, wo er ein Schiff fand, das ihn mitnahm.

Die Reise führte ihn aber nicht nach England, sondern nach Frankreich. Dort studierte er Theologie und nannte sich fortan Patricius. Zunächst wurde er Dekan, dann Priester und später sogar Bischof.

Nachdem er nach England zu seinen Eltern zurückgekehrt war, hatte er wieder eine Vision: Die Stimmen der Iren riefen ihn zurück nach Irland. Er folgte dem Ruf und bekehrte, wie er selbst schreibt, Tausende von Menschen zum Christentum.

Dabei soll er geschickt durch Ehrerbietung und Geschenke örtliche Könige auf seine Seite gezogen haben. Sein Hauptwirkungskreis lag im Westen und Nordwesten der Insel. 444 ließ er sich als Bischof in Armagh nieder.

Zu Lebzeiten war St. Patrick keineswegs so unumstritten und beliebt wie heute. Seine Hauptgegner waren die keltischen Druiden, die durch die Christianisierung ihre Macht schwinden sahen. Doch er überwarf sich auch mit einigen Glaubensbrüdern.

Der Bischof setzte sich daraufhin mit seiner Epistola für die Exkommunizierung des Engländers ein. Das führte zu Spannungen mit der englischen Kirche. Dass ein Ire einen englischen Fürsten aus der Kirche ausschließen lassen wollte, konnte man nicht hinnehmen. Über das weitere Leben des Heiligen wissen wir wenig. Am 17. März 461 oder 493 soll er in Armagh gestorben sein.

Die Verehrung des Heiligen lässt sich in Irland bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Legenden um sein Wirken sind zahlreich. So soll er dafür verantwortlich sein, dass es in Irland keine Schlangen gibt. Er habe sie seinerzeit von Irland nach England vertrieben.

Auf ihn ist auch das Kleeblatt (shamrock) als Wahrzeichen Irlands zurückzuführen. Anhand des dreiblättrigen Kleeblattes soll er den Iren die Dreifaltigkeit erklärt haben. Das shamrock ist das Wahrzeichen Irlands geworden.

An seinem Feiertag, dem 17. März, wird die ohnehin grüne Insel noch ein bisschen grüner. Die erste St.-Patrick's-Day-Parade fand allerdings weit weg von Irland im Jahre 1737 im amerikanischen Boston statt. Überall gibt es an diesem Tag Feiern, Paraden, Feste und überfüllte Kneipen. Vor allem in den USA hat man den St. Patrick's Day in ein regelrechtes Spektakel verwandelt.

Viel Legende, wenig Genaues. Aber viele Emotionen verbinden sich mit St. Patrick. Er war getrieben und beflügelt von seinem Glauben. Und trotzdem ein ganz normaler Typ mit vielen Macken und Eigenarten. Googeln sie mal – es ist spannend. Doch ich finde toll, dass auch solche mitunter schrägen Typen, die im Namen Gottes unterwegs sind, mit ihm an seiner Seite Legendäres schaffen können.

(Pfr. Patrick Mauser, Auferstehungskirche Reutlingen)

Der rote Faden

Wir lieben es normalerweise, wenn es einen roten Faden gibt: sei es in Geschichten, in Filmen, in beruflichen Projekten, ja im Leben selbst. Wenn ein roter Faden erkennbar ist, dann gibt es einen Plan, dann gibt es eine Struktur. Ein roter Faden ist so etwas wie ein Seil, an dem man sich festhalten kann, das Sicherheit gibt. Doch wehe wenn kein roter Faden mehr erkennbar ist. Dann wissen wir sofort: hier stimmt etwas nicht, hier geht gerade eine wichtige Sicherheit verloren.

Überhaupt ist das mit den Fäden im Leben so eine Sache. Wer den Faden verliert, verliert die Orientierung im Gespräch. Wem der Geduldsfaden reißt, der kann sich nicht mehr zusammenreißen. Wer die Strippen zieht, lässt andere wie Marionetten tanzen. Und übel wird es dann, wenn sich jemand total verheddert.

Doch wenn wir ehrlich sind, dann müssten wir uns eigentlich eingestehen, dass unser Leben nunmal kein geflochtenes Tau ist. Auch kein fein gewobener Teppich, in dem jeder Faden seinen Platz hat. Ein menschliches Leben ist eher so eine Art unordentliches Wollknäuel: verflochten, verdreht, verheddert, aber eben auch weich und kuschelig.

Jesus mag uns, die Wollknäuel, sehr. Selbst dann, wenn man sich total verheddert hat. Er schafft es auch, den roten Faden in uns wieder zum Vorschein zu bringen. Ohne große Worte, einfach so. Weil er da ist, weil er zuhört. Weil er einfach immer eine Idee hat, wie sich das Leben weiterstricken lässt. Amen.

Vertrauen fassen

Mache dich auf am Morgen dieses Tages, noch bevor du die wichtigsten Aufgaben angehst.

Setze deine Füße auf den Boden: Schritt für Schritt.

Finde deinen Standpunkt, stehe fest mit beiden Füßen auf dem Boden.

Und nun versuche, dein Herz für das ganz Weite, für den Himmel, ja für Gott selbst zu öffnen.

Verlass dich auf die Zusage Gottes! Ohne Zweifel - ER wird dich umsorgen.

Sprich langsam die Worte eines alten Psalms:

"Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen."

Amen.

(Evangelischer Lebensbegleiter zum 27. März)

Die Blumenzwiebel

Es ist später Herbst, die Blumenbeete in den Gärten haben ihre Blütenpracht längst verloren. Ein ungemütlicher, nasskalter Tag. Ich halte eine Blumenzwiebel in meiner Hand. Sie ist braun, faltig und fühlt sich trocken an. Nichts deutet darauf hin, dass aus ihr einmal eine wunderschöne Blume werden soll. Aber ich vertraue darauf, dass sie im Frühling zu blühendem Leben erwachen wird. Dieser Gedanke vertreibt meine düstere Stimmung und weckt Vorfreude auf den Frühling.

Wenn ich einen geliebten Menschen beerdigen muss, dann fühlt sich das an, wie ein grauer Tag im Spätherbst. Nichts deutet darauf hin, dass das Leben einmal zurückkehren wird. Doch ich lese in der Bibel, dass Jesus an Ostern den Tod besiegt hat. Im Vertrauen auf Jesus kann ich am Grab Abschied nehmen. Denn ich weiß, dass der Verstorbene im Reich Gottes ganz neu aufblühen wird. Das vertreibt die Trauer nach und nach aus meinem Herzen und lässt Hoffnung wachsen. Hoffnung, auf ein blühendes Leben nach dem Tod. Das ist es, was wir an Ostern feiern. Das ist Gottes Ostergeschenk an uns.