Aus der Geschichte der Kirchengemeinde

Auf diesen Seiten wollen wir Sie über geschichtliches aus unserer Kirchengemeinde informieren. Egal ob es um die Gebäude oder um Gruppen der Kirchengemeinde handelt, hier werden wir die Informationen für Interessierte zusammentragen und veröffentlichen.

Pfarrer in Undingen

Bis 1892 war Undingen Teilgemeinde von Genkingen und wurde von den Pfarrern in Genkingen versorgt.

Ortsansicht von Undingen nach dem alten Forstlagerbuch

1892 - 1899|Traugott Elsenhans
1900 - 1904|R. Traugott Keppler
1905 - 1921|Chr. Fr. Theodor Niethammer
1922 - 1925|Paul Stierle
1926 - 1932|Alfred Meyer
1933 - 1940|Anton Rathgeb
1940 - 1953|Georg Bechtle
1953 - 1976|Karl Berger
1977 - 1991|Hans-Georg Karle seit
1992 - 2018|Thomas Kurz
2018 -

1487 bis 1987

Aus der Geschichte der Undinger Kirche

 

Die Geschichte der Undinger Gotteshäuser reicht weit hinter das Jahr 1487 zurück. Aber die Anfänge der Kirchenbaugeschichte liegen im dunkeln. Wann in Undingen zum ersten Mal eine Kirche oder Kapelle erbaut wurde, lässt sich aufgrund der bekannten geschichtlichen Quellen nicht beantworten. Für das Kirchengebäude und für die Gemeinde der Glaubenden gebrauchen wir das gleiche Wort. Sagen wir »Ich gehe in die Kirche«, so meinen wir, dass wir das Kirchengebäude aufsuchen und zugleich bringen wir zum Ausdruck, dass wir zur Versammlung der christlichen Gemeinde gehen. Darum ist die Geschichte des Undinger Gotteshauses wohl so alt wie die Geschichte des Volkes Gottes, das sich in Undingen versammelt hat.
Doch in welchem Gebäude der erste Gottesdienst in Undingen gehalten wurde, bleibt uns verborgen.
Ein Anhaltspunkt für das Alter einer Kirche ist der Name des Kirchenheiligen. Die Undinger Kirche trägt den Namen »Unserer Lieben Frau und Sankt Nikolaus«. Die Wahl des Kirchenheiligen geschieht nicht zufällig; sie ist bestimmt von zeit- und theologiegeschichtlichen Strömungen. Maria ist als Kirchenheilige weit verbreitet. Aber erst die im späten Mittelalter sich steigernde Marienverehrung führt dazu, dass Maria alle anderen Kirchenheiligen überflügelt und – der Mode der Zeit entsprechend – öfters zusätzlich vor dem bisherigen Kirchenpatron erwähnt wird. Damals wurden z. B. die neuen Stadtkirchen in Ulm, Reutlingen und Vaihingen a. E. Maria geweiht und die Stöckenburger Martinskirche (823) heißt 1445 »Unserer Lieben Frau, St. Martin und die Heiligen«. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Undinger Kirche ursprünglich eine St. Nikolaus-Kirche war und erst im späten Mittelalter Unserer Lieben Frau und St. Nikolaus geweiht wurde. Wir wissen, dass Nikolauskirchen und Nikolauskapellen bei uns insbesondere im Zusammenhang der cluniazensischen Reformbewegung geweiht wurden. In Württemberg wurden diese Reformideen durch das Kloster Hirsau, das auch nach Undingen Beziehungen hatte, verbreitet. Dadurch wurde hier St. Nikolaus der Modeheilige des 12. und 13. Jahrhunderts. Die ältesten urkundlich erwähnten Nikolauskirchen in Württemberg sind die Nikolauskapelle in Altenburg (ca. 1070) und die Nikolauskirche in Kohlberg (1102). Vor dieser Zeit hat es also vermutlich in Undingen kein geweihtes Kirchengebäude gegeben.

Sicheren historischen Boden betreten wir erst dort, wo wir eine schriftliche Quelle oder einen archäologischen Fund vor uns haben. Doch die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche ist meistens zufällig, bedingt z. B. durch eine Kaufoder Schenkungsurkunde, die durch glückliche Umstände erhalten blieb. Solch eine Urkunde beweist dann aber nur, dass zu diesem Zeitpunkt die dort erwähnte Kirche schon bestand, sie sagt aber nicht, wann die Kirche gebaut wurde. Die älteste urkundliche Erwähnung eines Undinger Gotteshauses stammt aus dem Jahr 1423. Konrad Reck, genannt Rät von Reutlingen, verkaufte seinen Hof am 22. Mai 1423 um 80 Pfd. Heller an die Frühmeßkaplanei zu Undingen. Über die Größe, das Alter und den Namen des Gotteshauses, das zu der Kaplanei Undingen gehörte, erfahren wir allerdings nichts. So können wir nur vermuten, dass das 1423 erwähnte Gotteshaus wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert in Undingen gebaut und dem Heiligen St. Nikolaus und (schon damals oder vermutlich erst später) Unserer Lieben Frau geweiht wurde. Die zweitälteste Urkunde über die Undinger Kirche setzt schon voraus, dass es in Undingen ein Gotteshaus gibt, das »Unserer Lieben Frau und St. Nikolaus« geweiht ist.

Diese Urkunde von 1487 ist für unser Kirchenjubiläum entscheidend. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte das Kloster Zwiefalten in dem württembergischen Ort Undingen reichlich Besitztümer und das kirchliche Präsentations- und Kollaturrecht. Das Patronat teilte das Kloster mit der Gemeinde; denn der Gemeinde Undingen gehörte das Nominationsrecht. Doch Undingen war als Frühmeßkaplanei nur Filialgemeinde der alten Genkinger Kirche. So mussten die Undinger zu den Hauptgottesdiensten die Pfarrkirche in Genkingen besuchen, »was aber zu Winterszeiten, Kälte, Schnee und Unwetter halben, sonderlich aber alten, kranken und schwachen Leuten schwer gewesen« ist.
Wohl auch aus diesem Grund wurde darum 1487 durch Spenden der Gemeinde und mit Einwilligung des Abts Georg von Zwiefalten die Kirche erbaut und dotiert. Zugleich wurde 1487 »in die Kappel eine ewige Meß gestiftet«, auf den Altar, der zu Ehren Unserer Lieben Frau und dem Heiligen Nikolaus geweiht ist. Vermutlich wurde der Kirchenbau von 1487 am Platz des alten Gotteshauses der Kaplanei ausgeführt und wichtige Teile, vor allem die Stelle des Hochaltars wurden in den Kirchenbau miteinbezogen. Diese Vermutungen wurden durch interessante Entdeckungen bei der Kirchenrenovierung im Jahre 1932 bestätigt. Bei der Freilegung des alten Chorraumes, der als der einzige ganz alte Teil der Kirche anzusehen ist (heute Haupteingang unter dem Kirchenturm), wurden an den Wänden alte Wandmalereien freigelegt, die nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. Die Bilder an der Nordwand waren noch älter, vermutlich gehören sie in die erste Hälfte des15.Jahrhunderts.Wegen ihres schlechten Zustandes und geringen Wertes wurden die Bilder 1932 nicht restauriert. Inwieweit der Kirchenbau von 1487 Neubau und inwieweit er »nur« Ausbau des alten Gotteshauses war, läßt sich nicht mehr bestimmen. Für uns jedenfalls markiert das Jahr 1487 den ersten urkundlich erwähnten Kirchenbau in Undingen.

Vorreformatorischer Abendmahlskelch

Daß manche Fundamentsteine unserer Kirche noch viel älter sind und wir ihr Datum nicht bestimmen können, ist ein schönes Gleichnis für den Fundamentstein der geistlichen Kirche: Jesus Christus. Nach dem Zeugnis des Epheserbriefes hat uns Gott in ihm erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war. Die Kirche in der Zeit ruht in der Hand dessen, der die Zeiten in seinen Händen hat. Seit 1980 feiern unsere katholischen Mitchristen wieder regelmäßig Gottesdienst in der Undinger Kirche. Denn damals sind sie nur zurückgekehrt in das ursprünglich katholische Gotteshaus. Als vermutlich 1540 in Undingen die Reformation durchgeführt wurde, benutzte man weiterhin ganz selbstverständlich das alte Gotteshaus. Ging es doch um eine Erneuerung der einen Kirche Jesu Christi im Geist des Evangeliums von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden. Wie überall im Lande wurde damals wohl auch in Undingen die Innenausstattung der Kirche der geistlichen Reformation angeglichen. Hochaltäre und Heiligenbilder verschwanden. Oft wurde selbst das Sakramentshäuschen aus der Kirchenwand herausgerissen. Schriftliche Quellen dazu sind in Undingen nicht vorhanden. Es spricht aber eine deutliche Sprache, dass von den vorreformatorischen Kirchengeräten nur noch ein alter Abendmahlskelch erhalten ist. Herzog Ulrich hat in der Regel die Kirchenschätze konfisziert, um die Besoldung der neuen evangelischen Pfarrer zu sichern, Mittel für eine Armenfürsorge bereitzustellen, aber auch um seine leere Staatskasse wieder zu füllen.

Alte Kirche

Wie unsere Kirche vor 500 Jahren ausgesehen hat, kann nicht mehr festgestellt werden. So wie im Laufe der Kirchengeschichte, so hat es gewiss auch in der äu8eren Gestalt unseres Kirchengebäudes manche Veränderungen, Erneuerungen und Umgestaltungen gegeben. Aus der Baugeschichte der evangelischen Kirche sollen nur noch drei Jahreszahlen hervorgehoben werden: 1780 war der alte Turm, dessen Ansicht in einer Skizze im alten Forstlagerbuch von Andreas Kieser (1683, siehe Abbildung) erhalten ist, so baufällig geworden, dass eine Erneuerung unumgänglich war. Der Turm erhielt damals seine heutige Gestalt. 1810/11 wurde das Kirchenschiff so umgebaut wie wir es als »alte Kirche« in Erinnerung haben. Nach Johann Martin Flad, dem Älteren war sie »damals die schönste und größte auf der Alb«, 1959/60 erfolgte der Umbau in die jetzige Form. Dazwischen lagen immer wieder größere und kleinere Baumaßnahmen. Allein die Akten der letzten 200 Jahre berichten von mindestens 6 Renovierungen.
Wir können unseren Vorfahren dankbar sein, dass sie – oft unter heute unvorstellbaren Opfern – die Undinger Kirche als Versammlungsort der Gemeinde über die Jahrhunderte hin erhalten haben. Gewiss, bau- und kunstgeschichtlich gesehen ist die Undinger Kirche bescheiden. Der Reichtum einer Kirche und der eigentliche Kirchenschatz besteht aber im Wort Gottes, das den Menschen zur Quelle wird, aus der sie das Wasser des Lebens schöpfen. So wie die Anfänge der Undinger Kirche im dunkeln liegen, ist uns auch die Zukunft dieses Kirchengebäudes verborgen. Gewiß aber ist: Gottes Wort und Gottes Volk, das diese Kirche gebaut und erhalten hat. bleibt in Ewigkeit. Dafür sind die 500 Jahre Undinger Kirche ein kleines, aber deutliches Zeichen!

Die Undinger Kirche heute

Innenraum vor dem Umbau

Seit der Reformation war die evangelische Kirchengemeinde Undingen Filiale von Genkingen. Erst 1892 wurde sie selbständig. Der erste Pfarrer war Traugott Elsenhans. Er veranlasste eine Innenerneuerung und den Einbau einer Heizung (Holzöfen).
1932 wurde die Kirche erneut renoviert. Unter anderem mussten die Öfen erneuert werden, eine neue Orgel wurde eingebaut.

Für die stetig wachsende Gemeinde war das bestehende Kirchengebäude bald zu eng. Auf Initiative von Pfarrer Berger beschloss die Gemeinde im Jahr 1958 einen umfassenden Umbau.

Kirchenumbau 1959/1960

Er wurde in den Jahren 1959/60 unter der Leitung von Architekt Manfred Wizgall aus Reutlingen durchgeführt. Damals bekam die Kirche ihre heutige Gestalt. Das Kirchenschiff wurde um 6 m nach Westen verlängert. Da der Chor unter dem Turm zu eng und zu niedrig war, wurde der Chorraum, der sonst in allen Kirchen nach Osten weist, auf die Westseite verlegt. An der Stelle des früheren Chorraumes befindet sich jetzt der Haupteingang, der vorher auf der Südseite war. Im Eingangsraum fanden Gedenktafeln für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege ihren Platz. Die Sakristei kam nach Westen; in den Anbau der alten Sakristei wurde der Aufgang zur Empore eingebaut.

Innenraum nach dem Umbau

Im Innenraum ist so gut wie alles umgestaltet worden. Der früher durch die Anordnung der Emporen sehr beengend wirkende Raum, erhielt mit der neuen Empore durch eine helle Holzkassettendecke und durch das hellgetönte Gestühl aus afrikanischem Agba-Holz eine großzügige Weite und wohltuende Wärme. Die alten Holz- und Kohleöfen wurden durch eine elektrische Fußbankheizung ersetzt.
Den Chorraum ziert seither ein farbenprächtiges Buntglasfenster aus den Werkstätten der Glasmalerei-Kunstverglasung Adolf Saile, Stuttgart. Es stellt Christus als Weltherrscher dar. Die Antikverglasung und die Glasmalereien der Seitenfenster, ebenfalls von Adolf Saile ausgeführt, zeigen auf der Südseite Motive aus dem alten Bund: Adam und Eva, der junge Samuel in der Stiftshütte, die Arche Noah, Mose schlägt Wasser aus dem Fels. Die Bilder auf der Nordseite bringen jeweils in symbolischer Gegenüberstellung Motive aus dem Neuen Testament: Die Geburt Jesu, der zwölfjährige Jesus im Tempel, Taufe Jesu, Abendmahl und die Stärkung Jesu durch einen Engel im Garten Gethsemane.
Wie sehr den Undingern ihre Kirche am Herzen liegt, zeigt die großartige Opferbereitschaft für diesen Umbau. In kürzester Zeit wurden mehr als 100 000 DM der mit 155 000 DM Gesamtbaukosten veranschlagten Summe durch freiwillige Spenden aufgebracht! Um so erstaunlicher ist es, dass die nur zwei Jahre später eingebaute neue Orgel ebenfalls fast ausschließlich durch Spenden und Opfer aus der Gemeinde finanziert wurde.

Grundriss der Kirche vor 1932

Grundriss der Kirche heute